Les Plaisirs - Barocktanz

Inhalt

Was ist Barocktanz?

Im Folgenden soll dem interessierten Laien dargelegt werden, was unter Barocktanz zu verstehen ist.

Überblicksartig soll dargestellt werden, welche Bedeutung Tanz im 17. und 18. Jahrhundert für die Gesellschaft hatte, wie es uns heute möglich ist, etwas darüber zu wissen, und welche Tänze und Choreographien uns heute erhalten sind.

Barocktanz heute

Noch in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts gab es nur wenige Tänzer, geschweige denn Tanzgruppen, die sich mit Barocktanz beschäftigten und ihn zur Aufführung brachten. Zu nennen wäre "Ris et Danceries" unter der Leitung von Francine Lancelot. Inzwischen gibt es eine Vielzahl von Gruppen, die sich ausschließlich dem Barocktanz verschrieben haben. Die Tänzer können auf ein großes Angebot von Kursen zurückgreifen, um sich weiterzubilden. Der Barocktanz hat also in den letzten 30 Jahren einen unvergleichlichen Aufschwung genommen. Es versteht sich, dass auch das Niveau der einzelnen sowie der Anspruch der Aufführungen zugenommen haben.

Interesse?

Wer Interesse am Erlernen des Barocktanzes hat, kann sich an uns wenden, oder im Early-Dance-Kalender nachsehen. Dort findet sich dann hoffentlich ein Kurs oder eine Gruppe in Eurer Nähe.

Barocktanz historisch

Mit Barocktanz bezeichnen wir die Tänze aus der Epoche von Ludwig XIV. bis ungefähr zur Mitte des 18. Jahrhunderts.

Wo und wann entstand der Barocktanz?

Entstehung eines neuen Tanzstils

Ausgedrehte Füße
Ausgedrehte Füße. Aus Rameau 1748 (siehe Bibliographie)

Um die Mitte des 17. Jahrhunderts hatte sich in Frankreich ein eigener Tanzstil entwickelt, der sich deutlich von dem bis dahin in Europa vorherrschenden italienischen Stil unterschied. Deutlichstes Merkmal dieses neuen Tanzstils waren die ausgedrehten Füße.

Dabei sind ganz grob zwei Phasen zu unterscheiden: eine Anfangsphase (bis zum Ende des 17. Jahrhunderts), in der sich der neue Tanzstil entwickelte, der sich vom bis dahin vorherrschenden italienischen "Renaissance-Tanzstil" unterschied, und eine Blütephase (etwa ab 1700), in der eine Tanzschrift entwickelt worden war und in der eine große Zahl von Tanztraktaten und Tanzsammlungen veröffentlicht wurde. In der zweiten Phase ist es möglich, die Tanztechnik und die Choreographien relativ gut zu rekonstruieren, während wir bei den Tänzen der ersten Phase oft auf Vermutungen angewiesen sind.

Den neuen Stil muss Ludwig XIV. schon vorgefunden haben, als er als Knabe Tanzunterricht genoss. Der Tanz und die Musik waren ihm jedenfalls wichtig genug, dass er, nachdem er 1661 (nach dem Tod Mazarins) an die Macht kam, die Académie Royale de Danse gründete und eine Tanzschrift forderte. Daraufhin entwickelte der Tänzer und Choreograph Beauchamp in den späten 1670er Jahren die Tanzschrift, die dann durch Veröffentlichungen von Feuillet Berühmtheit erlangte. Deshalb bezeichnen wir diese Notation meist als "Feuillet-Notation".

Diesem Umstand haben wir es zu verdanken, dass wir nicht nur einen reichen Schatz an Choreographien aus dieser Zeit zur Verfügung haben, sondern dass uns es auch möglich ist, diese äußerst genau zu rekonstruieren.

Ludwig XIV.

Ludwig XIV. war, glaubt man zeitgenössischen Quellen, ein exzellenter Tänzer, der in den getanzten Hofunterhaltungen, den "Ballets de Cour" gern selbst auftrat. Diese Veranstaltungen dienten - wie viele Spektakel dieser Zeit - der Glorifizierung des Herrschers, des Sonnenkönigs. Der Hofstaat eiferte dem königlichen Vorbild nach und engagierte sich nach Kräften.

Beschreibung eines Tanzauftritts des Königs im Alter von acht Jahren:

Der König trug einen Rock aus schwarzem Satin mit Gold- und Silberstickerei, bei der das Schwarz nur so weit zu sehen war, dass es die Stickerei am besten zu Geltung brachte. Nelkenfarbige Federn und Bänder vervollständigten seinen Putz, doch schmückten ihn die schönen Züge seines Gesichts, die Sanftheit seiner Augen, mit ihrem gleichzeitig ernsthaften Ausdruck, sein heller, leuchtender Teint, zusammen mit seinem Haar, das damals noch sehr blond war, viel mehr als seine Kleidung. Er tanzte perfekt, und obwohl er erst acht Jahre alt war, konnte man sehen, dass er aus der Tanzkompanie derjenige war, der am meisten Ausstrahlung und auf jeden Fall die größte Schönheit hatte.

übersetzt aus Charles A. Sainte-Beuve Portraits of the Seventeenth Century, (New York 1964)

Louis XIV im Alter von 8 Jahren
Louis XIV im Alter von 8 Jahren

Tanzunterricht gehörte selbstverständlich zur Grundausbildung eines Höflings, von denen viele von früher Jugend an so gut wie täglich Tanzunterricht nahmen. "Tanz, Körperhaltung und die komplexe höfische Etikette wurden von früher Kindheit an unterrichtet, und es gehörte zur Arbeit eines Tanzmeisters, seine Schüler in diesen gesellschaftlichen Techniken zu unterweisen." (Wendy Hilton, 1981) (siehe Bibliographie)

"Rameau zufolge nahm der König zweiundzwanzig Jahre lang jeden Tag bei Beauchamp eine Tanzstunde." (Wendy Hilton, 1981)(siehe Bibliographie)

Louis XIV 1661
Louis XIV 1661

Der König war seit seiner Jugend (als er aus nächster Nähe eine Verschwörung gegen das Königshaus, die sog. "Fronde" erlebte) dem Hofstaat gegenüber misstrauisch. Daraus ergab sich zum Beispiel die Verpflanzung des Hofs nach Versailles, heraus aus der Stadt, quasi weg vom schlechten Einfluss der Großstadt. Eine weitere Folge war, dass er peinlich darauf achtete, dass der Hof auch immer beschäftigt war. Natürlich hatte das mit allgemeiner "Vergnügungssucht" zu tun, doch spielt keine geringe Rolle, dass ein beschäftigter Höfling nicht so schnell auf "dumme Gedanken" kommt. Intrigen gab es natürlich nach wie vor. Doch die Geschichte zeigt, dass Ludwigs Rechnung aufging. Der Tanz war hier also Mittel zur Beschäftigung ebenso wie Jagden, Spielnachmittage (Jours d'appartement), Theateraufführungen usw.

Die unterhaltsame wie zuverlässige Zeitzeugin Liselotte von der Pfalz, von der unzählige Briefe erhalten sind, schreibt im Dezember 1982:

Alle Montag, Mittwoch und Freitags seind jours d'appartement. Da versammeln sich alle Mannsleute vom Hof ins Königs antichambre und alle Weiber um sechs in der Königin Kammer. Hernach geht man alle miteinander in den salon, wovon ich alleweil gesprochen; von da in ein groß Kabinett, allwo die violons sein vor die, so tanzen wollen. Von da geht man in eine Kammer, wo des Königs Thron ist. Da findt man allerhand Musik, concerten und Stimmen. Von da geht man in die Schlafkammer, allwo drei Tafeln stehen, um Karten zu spielen, vor den König, die Königin und Monsieur. Von da geht man in eine Kammer, so man wohl einen Saal nennen kann, worinnen mehr als zwanzig Tisch stehen mit grünen sametten Teppichen mit golden Fransen, um allerhand Spiel zu spielen. Von da geht man in eine große antichambre, allwo des Königs billard steht. Von da in eine andre Kammer, allwo vier lange Tisch, worauf die collation ist, allerhand Sachen, Obstkuchen, confituren. Das sieht eben aus wie die Christkindertafeln am Christabende. Von da geht man noch in eine andere Kammer, wo auch vier Tafeln stehen so lang als die von der collation, worauf viel Karaffen mit Gläser stehen und allerhand vin de liqueurs, rossolis von allerhand Gattung, vin de St. Laurant, italienische Wein, hypocras, auch rechte natürliche Wein; also die essen und trinken wollen, halten sich in diese zwei letzte Kammern.

Louis XIV beim Billard
Louis XIV beim Billard

Sobald man von der collation kommt, welche man stehend isst, geht man wieder in die Kammer, wo so viel Tafeln stehen, und da teilt sich jedes zu seinem Spiel aus, und wie mancherlei Spiel da gespielt werden, ist nicht zu begreifen: Landsknecht, Tricktrack, Pikett, reversi, l'hombre, petite prime, Schach, raffle, trois dés, trou madame, berlan, summa summarum was man nur erdenken mag von Spielen. Wenn der König oder die Königin in die Kammer kommen, steht niemand von seinem Spiel auf. Die nicht spielen, als wie ich und noch viel andere mehr, die schlendern herum, von einer Kammer zu der andern, bald zu der Musik, bald zu den Spielen. Denn es ist erlaubt, hinzugehen, wo man will. Dieses währet von sechs bis zehn, dass man zum Nachtessen geht, und das ist, was man jour d'appartement heißt.

aus: Liselotte von der Pfalz, Briefe, Annedore Haberl, Hrsg., München, Carl Hanser Verlag und Langewiesche-Brandt 1996) (Siehe auch Bibliographie)

Auf den Bällen wurden nicht nur Gesellschaftstänze getanzt, sondern es gab auch jede Menge von Vorführungen, die wir heute als Einlagen bezeichnen würden:

Liselotte von der Pfalz, Februar 1699:

...gleich nach dem Essen ging man zum Ball; der fing um zehn an; um elf kamen die Masken. Man sahe eine Dame ankommen, die schien wie ein Turm so hoch und breit, denn es war Mons. le Duc de Valentinois, Mons. de Monaco Sohn, der gar groß ist. Diese Dame hatte eine mante, die ging bis auf den Boden. Wie sie in die Mitte vom Saal kam, tat sie ihre mante auf, da sprungen lauter Figuren von der italienischen commedie heraus. Mein Sohn stellte sich wie ein rechter Pulcinell, machte uns alle von Herzen lachen. Mons. le Dauphin kam mit einer andern Truppe gar wunderlich masquirt, änderte von drei oder vier Kleider ... Der Ball währte bis ein Viertel auf zwei. Ich konnte es nicht so lang ausstehen, ging ein wenig vor eins weg.
Freitag um sieben abends kam der König und die Königin von Engelland an; sie gingen gleich zu Mad. de Maintenon mit dem König. Darnach ging der Ball an. Alle Damens waren sehr parirt in robe de chambre; die Duchesse de Bourgogne kam erst ein halb Stund, nachdem der Ball angefangen war, denn sie war en beau masque auf spanisch recht artig gekleidt mit einem Hündchen ... Eine halbe Stund hernach kamen sieben oder acht masquen und tanzten eine entrée vom Opera mit Guitarren: das war mein Sohn, Comte d'Ayen, Prinz Camille, la Vallière in Mannskleider ridicule und Mons. le Dauphin. Mons. D'Antan und Mons. de Brionne waren wie Damens en robe de chambre ... D'Antan tanzte mit solcher Macht, dass er Mons. de Brionne über ein Haufen stieß. Der fiel auf den Hintern, grade vor die Königin in Engelland Füßen. E.L. können wohl gedenken, was vor ein Gelächter es gab. Kurz hernach ging mein lieber Duc de Berry hin und kleidte sich in baron de la Crasse und kam daher und tanzte alleine eine entrée recht possirlich. Der Ball währte bis um elf abends, da ging man zur Tafel. Gleich nach dem Essen ging der König in Engelland [und] die Königin wieder weg, und gestern gleich nach dem Essen ist jedermann wieder hierher ..."

Bemerkenswert ist hier, dass ein entrée aus der Oper getanzt wird. Es scheint also als Einlage ein Tanz vorgeführt zu werden, der aus einer Opernaufführung bekannt ist. Das lässt Rückschlüsse auf das Niveau des Tanzes am Hof zu.

Wirkung

Der Hof Ludwig XIV. strahlte auf ganz Europa aus. So galt bald in den anderen (vor allem nördlichen) europäischen Ländern alles, was von Frankreich kam, als nachahmenswert. Dies betraf neben der bildenden Kunst und Architektur auch die Musik und in ganz besonderer Weise den Tanz. Französische Tanzmeister waren in ganz Europa gesucht und verbreiteten die Kunst der "Belle Danse", der vornehmen Art des französischen Tanzes.

Improvisation und feste Choreographien

Das Menuett

Nach den Eröffnungs-Branles folgte im 17. Jahrhundert oft die Courante, ein langsamer, getragener Tanz, der den repräsentativen Charakter des Anlasses verkörperte. In dieser Rolle als formeller Paartanz wurde die Courante im Laufe der Zeit vom Menuett abgelöst. Vom Menuett gibt es fast in jedem Tanztraktat eine Beschreibung, was die Rolle unterstreicht, die dieser Tanz gehabt hat.

Das Menuett ist ein improvisierter Gesellschaftstanz, der nach sehr strengen Regeln verläuft, es den ausführenden Tänzern aber gestattet, die Figuren nach eigenem Geschmack zu kombinieren. Auch die Schritte waren bis zu einem gewissen Grad dem Können des Tänzers überlassen. Zwar gab es "pas de Menuet" (Menuettschritte) gewissermaßen als Standardschritte für diesen Tanz, doch waren auch alle anderen Tanzschritte möglich, vorausgesetzt man verstieß nicht gegen den guten Geschmack und die beiden Partner tanzten gut zusammen.

Ein Paar tanzt vor dem Hofstaat
Ein Paar tanzt vor dem Hofstaat. Die Abbildung zeigt ein und dasselbe Paar einmal während der Verbeugung vor dem König, dann am Fußende des Saales bereit zum Beginn des Tanzes (z.B. für das Menuett). aus Remeau 1748 (siehe Bibliographie)

Das Menuett würdevoll, gleichzeitig elegant und in gutem Geschmack zu tanzen dürfte gar nicht so einfach gewesen sein. Vor allem, wenn man bedenkt, dass bei den Menuetten und anderen formellen Tänzen immer nur ein Paar tanzte. Der Rest der Gesellschaft (vor allem wohl am Anfang eines Balles) sah zu. Und diesem Publikum entging bestimmt kein "faux pax" (falscher Schritt), denn alle hatten von frühester Jugend an Tanzunterricht genossen und waren Experten auf diesem Gebiet. So galt das Menuett gewissermaßen als gesellschaftlicher Prüfstein, an dem sich jeder und jede bewähren musste, der oder die in der Gesellschaft anerkannt sein wollte.

Feste Choreographien

Im Gegensatz zum (bis zu einem gewissen Grad) improvisierten Menuett gab es auch fest choreographierte Tänze, von denen man buchstäblich jeden einzelnen Schritt kennen musste, um ihn vorzuführen. In den Recueils de Danse (veröffentlichte Sammlungen von Tänzen), von denen ab dem Anfang des 18. Jahrhunderts eine ganze Reihe verlegt wurden, sind uns jedenfalls viele Tänze überliefert, die man eindeutig als Gesellschaftstänze identifizieren kann.

Das berühmteste Beispiel darunter ist "Aimable Vainqueur", ein Tanz, der sich in verschiedenen Fassungen durch das ganze 18. Jahrhundert hindurch hielt. Selbst Casanova gibt an, dass er ihn ohne Vorbereitung aufs Parkett bringen konnte. Auf diese Weise musste der Höfling also nicht nur über Grundkenntnisse und eine gute Technik verfügen, sondern er musste darüber hinaus auch eine ganze Reihe von Choreographien auswendig können. Keine schlechte Gedächtnisleistung angesichts der Komplexität der Tänze und der Vielgestaltigkeit der Schritte.

Aimable Vainqueur
Erste Seite von Aimable Vainqueur: Feuillet, Paris, 1703

Wer tanzte und zu welchem Anlass?

Tanz am Hofe und im Theater

Es gibt gewissermaßen einen Streit darüber, wie weit zwischen Gesellschaftstanz auf der einen und professionellem Theatertanz auf der anderen Seite in dieser Epoche zu unterscheiden ist.

Die eine Seite führt an, dass aufgrund der gleichen Technik und der Meisterschaft des Königs und vieler Höflinge kein wirklicher Unterschied bestand. Der Höfling als Balletttänzer im eigenen Hofballett, sozusagen.

Die andere Seite weist darauf hin, dass es zahlreiche Zeugnisse einer professionellen Tanzkunst an den Theatern gibt, die weit über höfischen Tanz (oder höfisches Ballett) hinaus geht.

Louis XIV tanzt 1681
Louis XIV tanzt 1681

Barocktänzerin auf der Theaterbühne
Barocktänzerin auf der Theaterbühne

Berührungspunkte gab es wohl viele. Allein die Tatsache, dass die meisten Tanzmeister professionelle Balletttänzer waren, dürfte dazu geführt haben, dass auch die Tanzamateure in der Technik des Tanzes so gefördert wurden, wie es der Profi für nötig erachtete. Auch die technische Meisterschaft des Königs selbst dürfte dazu beigetragen haben, dass die Höflinge sich anstrengen mussten, um tänzerisch nicht ins Abseits zu geraten.

Gerade in der Zeit um 1700 wurde am französischen Hof die Tanzkunst ganz besonders gepflegt, und man kann annehmen, dass das Niveau des tänzerischen Könnens bei den Höflingen exzellent war. Dazu kommt, dass in etlichen Sammlungen von Tänzen aus der Zeit Gesellschaftstänze und Bühnentänze in enger Nachbarschaft zueinander veröffentlicht wurden. Da diese Veröffentlichungen für ein breiteres Publikum gedacht waren, kann man daraus schließen, dass es auch in diesem Adressatenkreis Leute gegeben haben muss, die die Tänze adäquat tanzen konnten.

Manche haben daraus den Schluss gezogen, dass es in dieser Zeit (noch) keine Trennung zwischen Gesellschaftstanz und Ballett gegeben hat, wie wir sie heute kennen. Bei genauerer Betrachtung ergibt sich jedoch, dass zwar eine gewisse Gemeinsamkeit in der Technik und auch dem Schrittmaterial gegeben war, in der Ausführung und der körperlichen Fähigkeit aber große Unterschiede vorherrschten. Man denke nur an viele Beschreibungen aus dem 18. Jahrhundert, in denen vor allem die hohen Sprünge, Kapriolen (entrechats) und schwindelerregenden Drehungen der Theatertänzer gelobt werden. In den dem höfischen Umfeld zuzuordnenden Tanztraktaten ist jedoch eher von der Würde und der Contenance der Belle Danse die Rede, und die höfischen Choreographien lassen springende Extravaganzen auch nicht oft zu.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass eine außerordentliche Blüte der Tanzkunst zu verzeichnen ist, die beide Bereiche (Hof und Theater) erfasste. Doch war eine Unterscheidung zwischen professionellem Theatertanz und höfischem Tanz immer gegeben.

Entstehung des Comédie-Ballet

Im Jahr 1661 wurde auch Molières erstes Comédie-Ballet, Les Fâcheux, produziert, wobei Beauchamp Choreograph, Tänzer und Komponist mindestens eines Teils der Musik war. Molière schrieb letztendlich zwölf Comédies-Ballets. Er erläutert, dass das Format des Comédie-Ballet, in dem die Tänze in die Handlung des Stücks eingebaut waren, aus praktischen Gründen entstand. Es standen nur wenige gute Tänzer zur Verfügung, um eine Vielzahl von Tänzen aufzuführen, und für die Kostümwechsel benötigte man Zeit. Die Tänze wurden daher nicht, wie sonst üblich, in Gruppen als eigenständige Einheiten außerhalb der Handlung des Stücks vorgeführt, sondern in lockerer Abfolge in das Stück eingestreut, wobei die Tänze das Theaterstück ergänzten, wodurch "Komödie und Ballet miteinander verschmolzen" (Molière: "Avertissement pour les Fâcheux," Oeuvres Complètes, Paris 1956). (Hilton 1981)

Wie wissen wir heute, was getanzt wurde?

Quellen

Als Quellen liegen uns zum einen Tanztraktate und zum anderen Tanzsammlungen (Recueils des Danse) vor. Die Tanztraktate behandeln oft nach einem historischen Überblick in systematischer Weise Fragen der Technik, des Stils und der Notation. Beauchamp entwickelt in den späten 1670er Jahren eine Tanzschrift, die dann durch Veröffentlichungen von Feuillet Berühmtheit erlangte. Wir bezeichnen deshalb diese Notation meist als Feuillet-Notation. (siehe hierzu die Bibliographie)

Noch Fragen?

aktualisiert am: 10.11.2010

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